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Die grosse Täuschung

Die Menschen können nicht sagen, sie hätten nichts gewusst.

 
Die Weltherrschaft, die das Tier vom Drachen bekommt, ist jene Macht, die der Drache auch Jesus anbot: „Alles soll dir gehören, wenn du mich anbetest ...“ (Luk. 4,5-7).

            Das Angebot, das Christus unberührt zurückwies, ergreift der Antichristus nur allzu gerne. So gelangt er mit teuflischer Intelligenz und Wortgewalt an die Macht. Er „hat zwei Hörner wie ein Lamm, aber redet wie ein Drache“ (Offb. 13,11). Die zwei Hörner repräsentieren seine zwei Waffen für die Zerstörung der wahren Christus-Offenbarung: die Verfälschung von innen (durch jene falschen Lehrer, die im Namen Christi kommen) und die Bekämpfung von aussen (durch Verfolgung und „Heiliger Krieg“).

            Der Pseudomessias erscheint zusammen mit dem grossen Führer, der von aller Welt bewundert wird. Sie treten in einer Zeit des Chaos an die Öffentlichkeit, in der die Menschen sich in einem verwirrten und ratlosen Zustand befinden, denn es geschehen zu viele Dinge auf einmal: Naturkatastrophen, wirtschaftliche Krisen, neue Krankheiten, Massensterben und gleichzeitig auch rätselhafte Phänomene im Himmel und auf Erden, wodurch alle bisherigen Weltbilder über den Haufen geworfen werden.

            In dieser Situation wird der neue Führer mit seinem Charisma bei weiten Bevölkerungsschichten blindes Vertrauen gewinnen. Er wird von Frieden, Vereinigung, Stabilität und Umweltschutz sprechen, aber nicht von Gott – oder wenn, dann nur abfällig und spöttisch oder heuchlerisch. Er wird die Unterstützung der Massenmedien haben, und die Leute werden seine Scheinlösung begeistert aufnehmen, denn er wird ihre innersten Hoffnungen aufpeitschen. Wer immer es wagen wird, den Führer zu kritisieren oder ihm ablehnend gegenüberzustehen, wird auch den Zorn der überwältigenden Mehrheit zu spüren bekommen, denn für sie ist der neue Führer die langersehnte Hoffnung, die Verkörperung ihrer Sehnsucht nach Ruhe und Ordnung, und diese Hoffnung wollen sie sich nicht zerstören lassen. Wenn sogar dieser charismatische Mann, die Verkörperung der letzten Hoffnung, auch noch ein Betrüger und Teufel sein soll, was soll man dann noch glauben? Woran soll man sich dann noch festhalten? Die Angst vor einer Enttäuschung wird so gross sein, dass die Massen all ihre Bedenken mit einem fanatischen Vertrauen verdrängen werden. Sie werden ihm glauben, weil sie glauben wollen.

            „Wenn sie sagen: Es herrscht Friede und Sicherheit, gerade dann überfällt sie das Verderben ...“ (1.Thess. 5,3).

 
Prophezeiungen und der freie Wille

 
Wenn Prophezeiungen voraussagen, dass ein Teil der Menschheit etwas nicht durchschauen wird, dann stellt dies keine Einschränkung des freien Willens dar. Alle Menschen haben die Möglichkeit, aus dem angebotenen Wissen Nutzen zu ziehen, um prophezeite Schicksalsschläge abzuwenden. Nichts ist unvermeidbar. Doch wenn die Menschen es verpassen, das Vermeidbare durch entsprechende Korrekturen zu vermeiden, wird das Vermeidbare irgendeinmal unvermeidlich.

            Ob die Menschen ihren Kurs ändern oder nicht, hängt von ihrem freien Willen ab. Wie sie ihren freien Willen gebrauchen, ist aber sehr wohl vorhersehbar. Deshalb ist es nicht nur wahrscheinlich, sondern auch möglich, wahre Prophezeiungen zu machen. Wahrscheinlichkeit und Wahrheit vereint sich in göttliche Prophezeiungen zu richtungweisender Erkenntnis.

            „Lernet von dem Gleichnis, das euch der Feigenbaum gibt: Wenn seine Zweige saftig werden und die Blätter spriessen, weiss man, dass der Sommer nahe ist. So ist es auch, wenn ihr dies alles kommen seht: Dann wisst ihr, dass es nahe ist. Ja, ich sage euch: noch dieselbe Generation wird es dann erleben. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte nicht. Den Tag und die Stunde jedoch, wann das geschehen soll, kennt niemand, auch die Engel im Himmel nicht, nicht einmal der Sohn, sondern allein der Vater“ (Mt. 24,32-36).

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