Die Gemeinde
Offenheit für A r t e n v i e l f a l t.
Das Wunder der Gemeinde, wie Jesus sie sich vorstellt, besteht in ihrer
fruchtbaren Artenvielfalt. Gemeinden sind so etwas wie ein in sich
funktionierendes geistliches Ökosystem. Artenvielfalt hilft zu einer
ausgewogenen Entwicklung.
Artenvielfalt
Als Prototyp für die Gemeinde hat Jesus zwölf Leute unterschiedlichster
Prägung zusammengerufen und ihnen zugemutet, drei Jahre lang gegenseitig
Unkraut zu jäten und Zusammensein zu üben. Der Mix bestand aus
Gefühlstypen, Alphamenschen, Skeptikern, Intellektuellen,
Kleingewerblern, Charismatikern, Ehrgeizigen, Macht-Liebäugelnden,
Intro- bis Extrovertierten, Geldgierigen. Dazu kamen Jüngerinnen
weiblichen Geschlechts, was die Sache für kulturbedingte Machos nicht
einfacher gemacht haben kann.
Jesus ist der Boden, auf dem Artenvielfalt gedeiht: Das ist nicht Jude
noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und
Frau; (da ist nicht Hip-Hopper noch Oberkrainer, da ist nicht Schweizer
Bürger noch Türke, da ist nicht Grauer Panther noch Generation X, da ist
nicht Manager noch Arbeiter, da ist nicht Chef noch Angestellter, da ist
nicht Beter noch Macher), denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.
Geistliche Reife zeigt sich in der Offenheit für Artenvielfalt und in
der Bereitschaft, diese als individuelles Pflänzchen mit Ausdauer
mitzuprägen. Geistliche Reife zeigt sich auch in der Fähigkeit, eigene
Vorlieben zurückzustellen, um dem Juden ein Jude und dem Griechen ein
Grieche zu werden, um sie für Jesus zu gewinnen. Fischer, die Pralinées
von Sprüngli lieben, hängen schliesslich trotzdem Würmer an den Haken.
Monokulturen
Monokulturen – Ansammlungen von einseitig Gleichgesinnten oder solchen,
die den Pfad des Herrn gen Himmel allzu schmal sehen – haben ihren Reiz.
Sie können bestimmte Bevölkerungsgruppen gezielt ansprechen. Sie sind –
kurzfristig – leichter zu bewirtschaften als Mischkulturen. Und es ist
angenehm, wenn die meisten um mich herum gleich denken und handeln wie
ich.
Aber Monokulturen sind nicht unproblematisch. Die Gruppendynamik
einseitig Gleichgesinnter lässt einseitige und oft sonderbare Früchtchen
gedeihen. Und oft werden sie kaum reif. Einseitig Veranlagte bleiben
einseitig. Chronisch Heilungsbedürftige erhalten noch nach Jahrzehnten
jederzeit fünf Händepaare aufgelegt. Evangelisationsverdrossene finden
unter ihresgleichen zeitlebens ein Alibi für evangelistische Abstinenz.
Macher finden immer etwas zu tun.
Mut zur Artenvielfalt
Offenheit für Artenvielfalt auf dem christlichen Markt und für die
Monokultur überkonfessioneller Werke ist bereichernd, solange die
Bereitschaft bestehen bleibt, sich der Artenvielfalt in der eigenen
Gemeinde zu stellen. Jesus hat sich Gemeinde nicht als Jugend- oder
Seniorenclub gedacht. Auch nicht als Paragraphenreiter- oder geistliche
Hängegleiter-Vereinigung. Auch nicht als einseitige Ansammlung von
Winner- oder Loosertypen.
Jesus hat die Gemeinde als Mischkultur gegründet – und mit ihr in kurzer
Zeit den ganzen Mittelmeerraum begrünt. Artenvielfalt bedingt Mut – und
Reife.
