Das ewige Draussen!
Ich stosse immer wieder bei Diskussionen mit angeblich bibellesenden
und bekennenden Christen, auf den Punkt: Wenn’s um die Liebe Gottes
geht. So muss ich immer wieder hören: Gott wird sicher niemals je einen
Menschen in die Hölle oder in die ewige Verdammnis schicken, denn Gott
ist nur Liebe und nichts als Liebe, wie könnte er auch?
Wäre dann nicht Jesus umsonst am Kreuz gestorben? Darum hat mich das
Thema enorm gejuckt.
Ein Artikel von Jens Kaldewey (www.jenskaldewey.ch)
bringt dazu hilfreiche Gedanken, deshalb drucke ich ihn hier ab.
Der Begriff „Hölle“ ist enorm befrachtet mit Gefühlen wie Angst, Sorge,
Verachtung und Hohn. Die Vorstellung der Hölle ist von unzähligen
religiösen Machthabern und Erziehern missbraucht worden und schob sich
wie eine finstere Wand vor den Glauben an einen Gott der Liebe.
Anderseits wurde alles getan, um diese „furchtbare Idee“ zu entkräften,
zu verharmlosen, lächerlich zu machen. In den folgenden Aufführungen
will ich versuchen, dem einen oder anderen Leser einen neuen Zugang zu
diesem umstrittenen Begriff zu ermöglichen – anhand eines Leitwortes:
„Draussen“.
Was ist die Hölle?
Die Hölle ist das ewige Draussen. Jesus spricht in einem Gleichnis vom
Leben nach dem Tod von einer „grossen Kluft“ zwischen Himmel und Hölle.
1
An anderer Stelle spricht er von einem zukünftigen Zeitpunkt, in dem
einige Menschen das Urteil hören werden: “Geht von mir, ihr Verfluchten,
in das ewige Feuer, das bereitet ist den Teufeln und seinen Engeln!“ 2
Das Entscheidende ist hier das „von mir“: Von Jesus weg, ausserhalb
seiner selbst sein, getrennt von seinem Leben, seiner Liebe und seiner
Herrlichkeit. Weil das so schlimm ist, kann man da nur in sehr
drastischen Bildern davon sprechen, z.B. mit dem Bild des ewigen
Feuers. Ähnlich in der Bergpredigt: „Ich habe euch niemals gekannt.
Weichet von mir, ihr Übeltäter!“ Sehr plastisch auch die Bemerkung
gegenüber den religiösen Fanatikern: „Ich sage euch aber, dass viele von
Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tisch
liegen werden in dem Reich der Himmel, aber die Söhne des Reiches werden
hinausgeworfen werden in die äussere Finsternis“. 3 Hölle bedeutet also,
abgeschnitten zu sein keinen Zugang mehr zu haben zu Gott und seinem
Sohn Jesus und zur Welt, in der sie leben. Hölle ist Abwesenheit Gottes
und damit Abwesenheit von allem, wovon Gott die Quelle ist: Leben,
Frieden, Freude, Liebe, Beziehung, und Geborgenheit. Hölle ist so etwas
wie ewiges Umherirren ohne Heimat, Ziel und Hoffnung, ein ewiges Sich –
selbstüberlassen – Sein.
Wer kommt in die Hölle?
Alle, die draussen geblieben oder nach draussen gegangen sind – in
diesem Leben. Denn Hölle beginnt heute – in mir. Jeder, der sich
konsequent geweigert hat, auf die einladende Stimme Gottes zu hören, die
sich gemeldet hat in der Schöpfung, dem Gewissen, den biblischen
Geschichten, der Predigt des Evangeliums. Der Stimme, die gesagt hat:
„Komm zurück, komm nach Hause, vertraue dich mir an, ich bin dein Gott
und deine ewige Heimat.“ 4 Das gilt auch für die, die Gott als Vater
kennen gelernt haben, wieder von ihm fortgegangen und sich weigern, zu
ihm zurückzukehren, um ihre Schuld ehrlich zuzugeben und sich in seine
barmherzige Arme zu werfen. 5 Dies, obwohl Gott ihnen lange nachgegangen
und ihnen Zeit zur Umkehr eingeräumt hat. 6 Es gibt ein Zuspät. Wenn
Gott jemanden in die Hölle wirft, vollendet er das, was wir bereits
entschieden und gelebt haben. Diese Freiheit gehört zu unserer Würde als
im Bild Gottes Geschaffene. 7
Die Hölle und die Liebe Gottes.
Ein Liebender, allmächtiger Gott, der Menschen in die Hölle wirft: ein
unerträglicher Widerspruch? Keinesfalls. Im Gegenteil, an der Hölle als
dem Ort des ewigen Draussen werden Gerechtigkeit und Liebe Gottes
offenbart. Mit der Hölle wird auch die quälende Ungerechtigkeit aus der
Welt geschafft sein, im wahrsten Sinn des Wortes. Das schreiende Unrecht
gewissenloser Personen mir seinen ungeheuren Spuren der Verwüstung in
Seelen, Leibern und Ländern wird vergolten. Endlich muss ein jeder die
Konsequenzen tragen, der entschieden hat, sich der Liebe Gottes zu
verschliessen und auf Kosten anderer zu leben. Endlich erhält ein jeder
Recht, der gelitten hat unter dem Bösen. Unbestechlich, klug und mit
umfassender Kenntnis der Sachlage wird Gott in einer Weise richten, dass
ein dankbares und erleichtertes Aufatmen durch die Weite des Universums
gehen wird. 8 Und dabei muss beachtet werden, dass der Richter selbst
seinen eigenen Sohn in die Hölle des Draussen hat gehen lassen, um
unsere gerechte Strafe an unserer Stelle zu tragen. 9 Er wollte damit
jedem unter Berücksichtigung seiner Erkenntnismöglichkeiten Umkehr und
Bewahrung vor der Hölle ermöglichen. Doch eines Tages wird, was böse
geblieben ist, entfernt, nach draussen geworfen. Eine vollkommene
Schöpfung entsteht, weil Selbstsucht, Hass, Tyrannei, Gleichgültigkeit
und Gemeinheit draussen sein werden, endgültig unschädlich gemacht.
Die Dauer der Hölle.
Auf die Frage, wie lange den dieses ewige Draussen dauert, wird uns eine
Antwort gegeben, die der Leser selber deuten möge. In der Offenbarung
des Johannes wird von den Bewohnern der Hölle gesagt: „Und der Rauch
ihrer Qual steigt auf in alle Ewigkeit“. Genau die gleichen Worte (auch
im griechischen Urtext des Neuen Testaments) werden zur Beschreibung des
Lebens der „Himmelsbewohner“ und ihres Herrn, Jesus Christus, verwendet:
„Denn der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen
in alle Ewigkeit..... und er wird herrschen in alle Ewigkeit“.
1 Lukas 16,25-26
2 Matthäus 25,41
3 Matthäus
8,11-12 |
4 vgl. Johannes 3, 17-21
5 vgl. Hebräer 6,4-8
6 vgl. Offenb. 2,21
Matthäus 18,12-14 |
7 vgl. 2. Korinther 3,17
Galater 5, 1+13
8 vgl. Offenb.15,3-4;16,4-7
9 Jesaja 53,4-6 |
